Schön war´s!

„Du warst in einer Montessori-Schule? Haahaha! Hast also deine Schulzeit mit Singen, Filzen und Kreistanzen verbracht?!“ Viele Menschen haben immer noch so ein Bild von Alternativschulen im Kopf und werfen all die individuellen Konzepte in einen Topf, um, wenn die Rede von reformpädagogischen Schulformen ist, sofort an nicht ausreichend gebildete, undisziplinierte Kinder zu denken. Was als Reaktion auf mein Outing als Montessori-Abgängerin bleibt, sind manch ungläubiges Schmunzeln und der eine oder andere schlechte Scherz.


Das gesellschaftliche Unverständnis über solch eine (ungewöhnliche) Schulwahl verschreckte mich früher, sodass ich teilweise bevorzugte, auf die von mir besuchte Schule nicht näher einzugehen… Heute habe ich keine Schwierigkeiten mehr damit. Sollen die Leute doch glauben, was sie wollen. Ich weiß es besser: Ich weiß, dass ich eine tolle Schulzeit hatte, die mir tagtäglich Freude bereitete. Dass mir der anschließende Umstieg in die öffentliche Oberstufe leichter fiel als den meisten meiner (bereits aus dem Regelschulsystem stammenden) Kolleginnen und Kollegen. Dass mich meine Schulzeit Selbstdisziplin, Organisation, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Konzentration und respektvollen Umgang mit meiner Umgebung und meinen Mitmenschen lehrte. Dass meine Neugierde, die Welt zu entdecken, bestärkt wurde, anstatt sie mit langweiligen Arbeitsblättern zu verringern. Dass das Verstehen immer im Vordergrund stand und dass „Es ist eben so. Nimm es zur Kenntnis und merke es dir einfach!“ in der Neuen Schule keinen Platz hatte. Wozu das geführt hat?
Dazu, dass ich das kleine Einmaleins nach wie vor nicht auswendig runterbeten kann… und heute trotzdem Mathematik und Physik im vierten Semester, in Mindestzeit und mit Leistungsstipendium studiere, ohne dass fehlendes Auswendig-können jemals ein Problem dargestellt hätte.

Hanja aus der „Neuen Schule Eichgraben“