Freinet, Celestin, 1896-1966

Französischer Volksschullehrer und Reformpädagoge. Freinet ging davon aus, dass die Kinder lernen wollen! Er nimmt an, dass es eine Natürliche Methode des Lernens gibt, mit der sich die Kinder Wissen aneignen. Erfolgt der Unterricht in falscher Form, so fördert er die Lern-Unlust der Kinder und verhindert so das Lernen. Soll die Lernunlust der Kinder vermieden werden, muss der Unterricht verändert werden, und auch der Lehrer selbst muss bereit sein sich zu verändern - statt nur die Kinder ändern zu wollen.


 


Hengstenberg, Elfriede, 1892-1992


Die engagierte Pädagogin erkannte, "dass z. B. schlechte Haltung selten oder kaum korrigiert werden kann. Sie ist mit all ihren Symptomen der Ausdruck einer ungünstigen Verhaltensweise des Kindes im physischen wie im psychischen Sinn". Weitere intensive Beobachtungen kindlicher Verhaltensweisen im Zusammenhang mit alltäglichen Bewegungshandlungen (in der Straßenbahn, auf dem Schulweg, beim Sitzen in der Schule, beim Ermahnen durch die Eltern) zeigten der jungen Lehrerin die Notwendigkeit, sich für die Gesamtentwicklung des Kindes und seine Lebensbedingungen zu interessieren. Sie entwickelte Geräte, die es den Kindern ermöglichten, durch eine verbesserte Wahrnehmung des eigenen Körpers zu psychischer und physischer Sicherheit zu gelangen. Sie erkannte wesentlich den engen Zusammenhang zwischen körperlicher Entwicklung, Sicherheit, Balance und Ausgeglichenheit in der Bewegung und der Fähigkeit zu geistiger Leistung.



Montessori, Dr. Maria


Die große Mathematikerin und Ärztin wusste bereits vor hundert Jahren, dass Kinder konkret "Be-greifbares" viel leichter verstehen und lernen als rein abstrakte Wissensvermittlung. Sie schuf deshalb großartige Materialien, um Kindern abstrakte Vorgänge angreifbar und verständlich zu machen und hatte damit durchschlagende Erfolge. Sehr viele ihrer Materialien haben heute bereits Einzug ins Regelschulwesen gehalten. Der Umgang mit den Kindern, der ihr mindestens ebenso wichtig war, blieb aber vielfach auf der Strecke. Denn ohne der freien Wahl der Tätigkeit, der Beachtung des individuellen Entwicklungswegs und dem Respekt vor der kindlichen Persönlichkeit, ist das Material nur halb so viel Wert. Montessori sah mit zunehmendem Alter ihr Schwergewicht auf der Friedenserziehung, in der Überzeugung, dass Weltfrieden nur durch eine grundlegende Reform der Erziehung (hin zu verantwortungsvollem Handeln) und einen Abbau der Feindschaften zwischen Kindern und Erwachsenen möglich sei ("Erziehung für eine neue Welt").


 

Piaget, Jean - Schweizer Entwicklungspsychologe, 1896-1980

Seine Forschungen legten den Grundstein zur heutigen Pädagogik. Er nahm vorweg, was die moderne Gehirnforschung bestätigt:
Zwischen null und zwei Jahren beruhen die Handlungen des Kindes ausschließlich auf spontanen Aktivitäten, die direkt an gerade vorhandene Wahrnehmungseindrücke gekoppelt sind. Zwischen zwei und vier Jahren wird das Kind fähig mit Vorstellungen und Symbolen umzugehen (z.B. kann ein Holzklötzchen als Auto oder Haus benutzt werden).
Auch im intuitiven Stadium zwischen vier und sieben Jahren sind Begriffe noch ganz an die Anschauung gebunden und werden in Bildern und Handlungen repräsentiert. Kinder können noch keine Allgemeingültigkeit von Gesetzmäßigkeiten begreifen.
Das Alter zwischen sieben und elf Jahren bezeichnet Piaget als das konkret-operationale Stadium. Noch immer sind gedanklichen Operationen an anschaulich erfahrbare Inhalte gebunden. Verschiedene Aspekte eines Gegenstandes oder Vorgangs können gleichzeitig erfasst und zueinander in Beziehung gesetzt werden.
Erst im formalen Stadium ab elf tritt nach Piaget eine Sinnesumkehrung zwischen dem Konkret-Wirklichen und dem Hypothetisch-Möglichen ein. Deshalb können erst auf dieser Stufe Denkoperationen mit abstrakten, nicht mehr konkret vorstellbaren Inhalten durchgeführt werden.


 

Steiner, Rudolf

Der Gründer der anthroposophischen Gesellschaft stellt den ganzheitlichen Ansatz in den Vordergrund. Für ihn ist der Mensch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele und ein Bestandteil der Natur. Der kreativ-musischen Seite wird ebensoviel Bedeutung gegeben wie der kulturtechnischen. Basierend auf den "Sechs-Jahres-Sprüngen" und den Erkenntnissen von Jean Piaget, geht Rudolf Steiner davon aus, das die kindliche Entwicklung in Sieben-Jahres-Sprüngen vor sich geht. Entscheidende Veränderungen beim Kind bzw. Jugendlichen gibt es demnach mit 7, 14 und 21 Jahren.


 

Wild - Rebecca und Mauricio

Das Ehepaar Wild gründete 1977 ein neuartiges Kindergarten- und Schulzentrum in Ecuador, den Pesta. Seit dem Jahr 2005 gibt es den Pesta als Schule nicht mehr, das Projekt der Wilds hat sich in Richtung eines gemeinschaftlichen Lebensraums für Erwachsene verändert.
In der Schule lag der Schwerpunkt darauf, dass die Erwachsenen in der Arbeit mit den Kindern mit zwei unbekannten Realitäten konfrontiert sind: - Niemand kennt die individuelle Eigenart und das Entwicklungspotential des Kindes, niemand kann seine Fähigkeiten vorherbestimmen, nur das Kind selbst trägt in sich den Schlüssel zu optmialer Entwicklung. - Zum anderen stehen wir einer krass veränderten zukünftigen Gesellschaft gegenüber, in der unsere Kinder leben werden, und von der kein Lehrer und kein Lehrplan ein zutreffendes Bild vermitteln kann.
         Die Erfahrungen, die sie mit Kindern machten, veranlassten die Wilds dazu, einen eigenen Stil zu entwickeln, in dem die Betreuer so wenig wie möglich in die kindliche Entwicklung eingreifen, ihre Rolle liegt vor allem in der Beobachtung. Es ist nicht wesentlich, den Kindern Wissen zu vermitteln, sondern eine Stärkung all ihrer natürlichen Kräfte zu ermöglichen, sie vom Erwartungsdruck der Erwachsenen zu befreien, und sie so umfassend wie möglich ihren eigenen authentischen Bedürfnissen folgen zu lassen.
Heute gibt es bereits mehrere Schulen auf der ganzen Welt, die dem Modell des Ehepaares Wild nacheifern, wobei das Ehepaar Wild den Begriff "Wild-Schule" kathegorisch ablehnt.
Die Neue Schule geht insofern mit den Auffassungen der Wilds konform, als dass die individuellen Entwicklungsbedürfnisse des einzelnen Kindes wichtiger sind als der Lehrplan. Auch bei uns geht soziale und emotionale Stabilität vor. Aber bei uns hat die kognitive Entwicklung mit Sicherheit einen höheren Stellenwert, und die Erwachsenen übernehmen vermehrt Verantwortung für das Funktionieren der Gruppe. Die Betreuer sehen ihre Rolle auch in der Weitergabe ihres Wissens, sie bringen viele Angebote ein.
Wir denken, dass jedes Kind von der Umgebung, in der es aufwächst, geprägt und geformt wird. Dass es die Werte, die vorgelebt werden, verinnerlicht. Keine Umgebung kann jemals vollständig sein, sie ist notwendigerweise eine Selektion (ein Kind, das in der Wüste lebt, wird andere Fähigkeiten entwickeln als eines aus dem Hochgebirge). Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Kindern eine Umgebung zu schaffen und Prioritäten zu setzen, die mit den Anforderungen unserer Gesellschaft kompatibel sind.